Gedicht weiße Frau


 

Gedicht zur Weißen Frau von Rabenstein    oder
die Sage von der Mondscheinlinde

Text und Zeichnungen Rolf Fischer Rabenstein

Auf Rabenstein ein Ritter saß,
er hatte eine Tochter
schön und lieb im Tanz gewandt
für ihre Ehre, focht er

Der Rittersohn von Waldenburg
in innig Lieb mit ihr verbunden
besucht sie oft in Rabenstein
um sein Begehr ihr zu bekunden

Doch der Herr aus Wartha wollte,
als Trunkenbold weitum bekannt,
dass sie seine Schlossfrau werden sollte
den Weg nach Rabenstein oft er fand


Die Burgherren zechten bei Bier und Wein
grob und rau war`n ihre Sitten
gefreit ward oft ums Töchterlein
sie wollt par tu davon nichts wissen

Doch Warthas Ritter lies nicht ab
nahm den Rivalen einst gefangen
verschleppt ihn zur Burg Klaffenbach
hinab ins Verlies, es half kein bangen


Finster war`s, im Raume kalt
der Tod eintrat ihm zu umarmen
das Leben wich dem Jüngling bald
mag sich der Seele Gott erbarmen

Die Nachricht weht nach Rabenstein
das Leid die Mutter nicht ertrug
sie sah den Schmerz vom Töchterlein
am Burgberg man sie bald begrub


Hier fand sie ihre letzte Ruh
an der Kapelle umsäumt vom Winde
auf dem Berg gegenüber der Burg
an einer mächtig großen Linde


Doch Warthas Ritter wollt wie einst
die Jungfrau unbedingt besitzen
mit seinen Mannen sah man zieh`n
nach Rabenstein, die Waffen blitzen

Am Burgtor das geschlossen war
die Rösser scharrten mit den Hufen
ich will hinein will hol`n die Braut
laut war des Grobianes rufen


Doch als er auf die Brücke tritt
ein Weißgestalt ihm kam entgegen,
halt Stop- sofort hier deinen Ritt
das Ross das aufbäumt sich verwegen


Die Ahnfrau wehrte ihn zurück
vom Sattel fällt er rücklings runter
im Burgteich bricht er sein Genick
die Knappen fliehen dem Berg hinunter

Immerfort durch Flur und Wald
die weiße Frau verfolgt sie weiter
gehetzt vor Furcht, die Nacht ist kalt
ankommen in Klaffenbach die Reiter


Das Burgfräulein in tiefer Trauer
besucht oft ihre Lieblingsstelle
setzt sich an des Kirchleins Mauer
am Schützenberg der Burgkapelle


Ihr Vater, der sie fand da oben
vernahm die Worte, die sie sprach
ich bitt dich bring mir meinen Liebsten
aus dem Verlies in Klaffenbach

Der Vater ihr den Wunsch erfüllte
des Jünglings Körper hier Ruhe fand
sein Herz von Schicksalsschlägen milde
schloss mit dieser Tat der Liebenden Band


Doch eines Nachts an der Gräber Stelle
fand man sie liegen bleich und kalt
begrub sie an der Burgkapelle
der Wind strich leise durch den Wald


Die Legende lässt verkünden
wenn des nachts der Vollmond schient
seine Strahlen durch die Linde finden
zum Ort wo liegen sie vereint


Seit alter Zeit ist hier bekannt
wo einst der Burgkapellen Stelle
der Baum die „Mondscheinlinde“ stand
im Scheine des Mondes gleißender Helle.