Mondscheinlinde


 

Die Weiße Frau von Rabenstein    oder
die Sage von der Mondscheinlinde

von Rolf Fischer

Vor vielen hundert Jahren verliebte sich ein junger Ritter der Herrschaft Waldenburg in das liebreizende und anmutige Burgfräulein von Rabenstein. Ebenfalls wollte der grobe, dem Bier und Wein zugetane Ritter aus Neukirchen/ Klaffenbach, sie ehelichen. Auch ihr Vater, der Herr auf Rabenstein war ebenfalls dem Laster angetan und mochte diese Verbindung; so wurden oft Zechgelage abgehalten. Die Tochter, sowohl als auch ihre Mutter sträubten sich dagegen.

Der junge Waldenburger wurde entführt, nach Neukirchen gebracht und verstarb dort jämmerlich im Burgverlies. Diese schmerzliche Kunde drang bis nach Rabenstein. Das Burgfräulein zerfloss in Tränen, auch die Mutter, welche von ihrem Gatten grob und vorwurftsvoll behandelt wurde, ertrug diesen Schmerz nicht weiter und verstarb.  An einer mächtigen Linde, an der Kapelle gegenüber der Burg auf dem Schützenberg wurde sie beigesetzt.

Der Neukirchner wollte sein Bestreben nicht aufgeben, versammelte seine Kumpanen und zog nach Rabenstein. An der Burg, deren Tor verschlossen war, angekommen, ritt er auf die Zugbrücke zu. Plötzlich stellte sich eine weiße Gestalt ihm entgegen, hob die knorrige Hand und gebot mit lauter Stimme:  Halt !!!
Das Ross erschrak, bäumte sich auf, der Ritter fiel rücklings vom Pferd in den Graben und brach sich das Genick. Die mitgeführte Meute floh aus Furcht  in Richtung Klaffenbach. Die weiße Frau, welche der Geist der verstorbenen Mutter war, flog hinterher. Das Burgfräulein bat ihren Vater, welcher vom Seelenschmerz milde geworden war, ihren Geliebten aus Neukirchen nach Rabenstein überführen zu lassen. So wurde er neben der Mutter Grab beigesetzt.

Schließlich, der seelischen Last erlegen fand auch das Burgfräulein hier ihre letzte Ruhe. Des Nachts, bei Vollmond, wenn sein gleißendes Licht durch die Äste der Linde strahlt berühren diese die Stelle wo sich deren drei Gräber befinden, an der Mondscheinlinde.